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Jiayan Chen und Gabriela Heinrich2015 absolvieren erstmalig Studentinnen aus China Praktika bei Bundestags-Abgeordneten. Jiayan ist eine von ihnen, sie arbeitet zur Zeit in meinem Berliner Büro. Ich bin nicht nur von ihren Deutschkenntnissen, sondern auch von Ihrer Offenheit beeindruckt und davon, wie sie mit unserer Offenheit umgeht. Aber lesen Sie selbst, was sie berichtet: 

Ich heiße Jiayan Chen und bin 23 Jahre jung. Ich komme aus Ningbo, einer Hafenstadt in der Nähe von Shanghai mit ca. 7,6 Millionen Einwohnern. Und ich studiere an der China University of Political Science & Law die Fächer Deutsch und Rechtswissenschaft. 2015 gibt es zum ersten Mal ein Programm zwischen der Friedrich-Ebert-Stiftung und meiner Universität in Peking, mit dessen Hilfe sieben Studentinnen ein Praktikum bei Bundestagsabgeordneten in Berlin machen können. Ich bin so glücklich, dass ich diese Gelegenheit wahrnehmen und seit Mitte März bis Ende Mai ein Praktikum im Büro von Gabriela Heinrich machen kann. Vorher gab es noch keine Chinesinnen oder Chinesen, die bei Abgeordneten arbeiteten. Deshalb konnte ich keine Erfahrungen von anderen bekommen und war sehr gespannt darauf.

Ankunft in Berlin und im Bundestag

Ich war am 15.03.2015 mit dem Flugzeug von Peking in Berlin angekommen, und am nächsten Tag begann ich das Praktikum. Am 16.03 um ungefähr 11 Uhr hat Alexander, ein Mitarbeiter von Gabriela, mich am Haupteingang des Bundestagsgebäudes abgeholt. Danach ließ ich mir den Hausausweis ausstellen. Danach haben er und Ingo, Gabrielas anderer Berliner Mitarbeiter, mit mir eine Führung durch den Bundestag gemacht. Ich war ganz verwirrt im Keller des Bundestags, der drei Gebäude verbindet. Man muss mehrmals laufen, dann kann man sich den Weg merken…

Jiayan Chen in Berlin

Ich nehme die Arbeit auf

Am nächsten Tag habe ich an der Sitzung der Arbeitsgruppe Menschenrechte der SPD-Bundestagsfraktion teilgenommen und mich dort mit Gariela getroffen. Gabriela ist sehr umgänglich, ich saß neben ihr und war gleich entspannter. Diese Sitzung war noch schwer für mich zu verstehen. Gabriela hat mir aber immer wieder die Hintergründe vorgestellt, damit ich besser verstehen konnte.

Eigentlich konnte ich das Praktikum nur bis zum 18.04. machen, weil die Praktikumplätze nicht genug für uns sieben sind und ich den Platz mit einer anderen Studentin teilen muss. Als Gabriela das erfahren hat, hat sie mein Praktikum bei ihr verlängert. Es hat mich gefreut, dass es so gelaufen ist.

Sitzungswochen

Am Mittwoch habe  ich zwei Ausschüsse besucht. Daneben bekommt Gabriela auch viele Besuche. Wie z.B. von Künstlern oder Nichtregierungsorganisationen, die zum Thema Menschenrechte oder wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeiten. Es wundert mich sehr, dass Gabriela den ganzen Tag so frisch bleiben kann. Einige Sitzungen finden ganz früh statt, und die Tagesordnung des Plenums geht bis in die tiefe Nacht. Oft hat Gabriela keine Zeit zum Mittagessen und muss nach einer Sitzung zum anderen Gespräch laufen. Während den aufeinanderfolgenden zwei Sitzungswochen bin ich so müde, und möchte nach der Arbeit nur zu Hause im Bett liegen und nichts machen.

Osterpause

Vom 30.03 an waren drei Wochen keine Sitzungswochen. Ich konnte endlich eine Atempause nehmen und nur im Büro bleiben. Alex hat mich über die Menschenrechte Situation von Kuba und Guatemala recherchieren lassen, weil Gabriela eine Reise in diese Ländern gemacht hat. Deshalb recherchiere ich die ganz Woche und habe einen Überblick über die Menschenrechte bekommen…

Jiayan Chen in Dortmund

Nach Ostern ist Marion ins Büro gekommen und hat ihr Praktikum hier begonnen. Alex hat uns erzählt, wie man die Post sortiert. Jeden Tag kommen viele Briefe hierher und man muss herausfinden, welche wichtig sind. Artikel über ein Thema, für das Gabriela verantwortlich ist, haben Marion und ich zusammengefasst, damit Gabriela in kurzer Zeit die wichtigen Punkte bekommt.

Was habe ich sonst gemacht?

Mit dem Praktikantinnen-Programm der SPD-Fraktion habe ich viele Termine gehabt, um auch über den Bundestag hinaus zu blicken. Zum Beispiel habe ich an Gesprächen mit Botschaftern aus verschiedenen Ländern und an Führungen durch den Bundesrat und andere Ministerien teilgenommen. Ich habe dabei viel gelernt und mehr über die Demokratie und Politik in Deutschland erfahren.

Für unser Büro und für das Büro von Uli Grötsch habe ich einen Vortrag über China gehalten. Ich habe mich sehr gefreut, dass hier alle so interessiert waren, denn ich finde, dass sich sich mehr Wissen über China lohnt lohnt. Und vom 09.05 bis 16.05 war ich eine Woche in Gabrielas Wahlkreis in Nürnberg. Dort habe ich erfahren, wie die Arbeit im Wahlkreis aussieht und Gabrielas dortige Mitarbeiterinnen kennengelernt.

Jiayan Chen in Nürnberg

Was mir besonders aufgefallen ist

Mein Praktikum ist jetzt fast zu Ende. Was ich besonders eindrucksvoll fand, ist:

1. Alle Leute in der SPD duzen sich. Auch wenn jemand Abgeordnete oder Abgeordneter ist, alle sind gleich. In China wird man normalerweise die höheren Beamten Direktor Li oder Minister Chen nennen. Deshalb war ich es am Anfang nicht gewöhnt, wenn ich Gabriela statt Frau Heinrich sage und sie nicht sieze sondern duze. Zuerst hatte ich etwas Angst, dass das nicht höflich ist. Aber ich habe mich schnell angepasst.

2. Ich kann hier etwas Inhaltliches tun und viel Wissen bekommen. Bevor wir nach Deutschland geflogen sind, haben wir sieben uns das Praktikum so vorgestellt, dass wir jeden Tag im Büro sitzen, Kopien machen oder Materialien ordnen, aber uns mit den Abgeordneten nur sehr selten treffen können. Überraschenderweise ist das Praktikum ganz anders. Wir können an vielen Sitzungen und Gesprächen teilnehmen und viele Informationen bekommen. Während der Sitzungswoche kannst du dich fast jeden Tag mit der Abgeordneten treffen und Gedenken austauschen. Während der Gespräche mit Kollegen habe ich mehr über Deutschland erfahren und viel Unterschiede zwischen Deutschland und China gefunden.

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