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Üben der Rede fürs PlenumVor dem Plenum zu reden, ist die Königsdisziplin im Bundestag. Damit alles gut läuft und ich nicht über die Maßen holpere, übe ich meine Reden. Mein Drucker hört die Rede zuerst! 

Das Wichtigste: Die Botschaft

Üblicherweise stellt sich gut eine Woche vor einer Plenardebatte heraus, wer dort zu welchem Thema spricht. Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt, ich war der Meinung, dass die Tagesordnungen Monate vorher feststehen. Ich bespreche zunächst mit meinen Mitarbeitern, welche die Botschaft meiner Rede sein soll. Die Botschaft ist das wichtigste, diese gilt es zu vermitteln.

Inhalt und Struktur …

… der Rede sind das Baugerüst für die Botschaft. Eine Plenumsrede wird im Fernsehen übertragen und ist für alle Zeiten im Plenarprotokoll festgehalten. Ich vermeide also tunlichst, etwas Falsches, etwas Dummes oder etwas Missverständliches zu erzählen. Meine Mitarbeiter recherchieren deshalb die Inhalte und Hintergründe und machen mir Textvorschläge. Parallel dazu sammle ich ebenfalls meine Gedanken. Gemeinsam führen wir dann alles zusammen.

Zunächst spreche ich im leeren Büro

Die AktensauWenn ich den ersten Entwurf spreche, mache ich das erstmal für mich alleine. Der Drucker dient als Übungs-Rednerpult und hat somit die Ehre, meine Rede zuerst zu hören. Wenn das gut gelaufen und der Drucker mit mir zufrieden ist, dürfen die Rede auch meine Mitarbeiter hören. Und das Stoffschwein meines einen Mitarbeiters natürlich nicht zu vergessen (warum das hier im Büro sitzt, würde jetzt allerdings zu weit führen). Die Mitarbeiter machen sich Notizen und setzen während einer Übungsrede die Betonungszeichen. Und es ändert sich normalerweise noch einiges, was wir dann wieder einarbeiten.

Solche Schleifen drehen wir mehrfach und feilen an der Rede erst grob, dann fein. Bis wir den finalen Stand haben, den ich dann noch ein oder zweimal durchgehe, bevor ich das fertige Manuskript mit ins Plenum nehme.

Und dann spreche ich vor dem Plenum

Nachdem mein Drucker und meine Mitarbeiter mit mir zufrieden waren, kann gar nichts mehr schiefgehen. Ich halte dann die Rede vor dem Plenum. Meistens nicht ganz streng nach Manuskript, etwas Kür darf schon auch noch sein. Spontan ergänze ich zum Beispiel, wenn sich durch die Debatte etwas Neues ergeben hat. Oder ich lasse spontan Teile des Manuskripts weg, wenn sie schon von Vorrednerinnen oder Vorrednern gesagt wurden. Vor meiner ersten Rede war ich noch ganz schön aufgeregt, aber das hat sich mit der Zeit gegeben. Bisher verschonten mich die Oppositionskollegen mit Zwischenfragen, aber das war vielleicht noch der Welpenschutz. Die erste Zwischenfrage kommt bestimmt bald …

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