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Bildnachweis: Rainer Sturm  / pixelio.deIch mache mich hiermit zum Teil der Lügenpresse (als Politikerin sollte ich das doch prima hinbekommen) und unterziehe eine Pegida-Position einem Faktencheck. Genauer gesagt mache ich das mit Artikel 17 der Pegida-Positionen. Darin geht es um „dieses wahnwitzige Gender Mainstreaming“. 

Dass die Pegida-Positionen Faktenchecks nicht standhalten, haben wohl alle außer den Pegidaleuten verstanden (solche Faktenchecks finden sich zum Beispiel hier oder als gut gemachtes Video hier). Das Problem ist, dass jemand, der an die Lügenpresse glaubt, gegen Fakten, die in der Lügenpresse stehen, resistent ist (zur Geschichte des Begriffs der Lügenpresse übrigens ein super Blogbeitrag hier).

Was besagt der Pegida-Artikel 17?

In Artikel 17 der Pegida-Positionen geht es um „Gender Mainstreaming“ und darum, dass man da natürlich dagegen ist. Im Wortlaut hört sich das so an:

17. Pegida ist gegen dieses wahnwitzige „Gender Mainstreaming“, auch oft „Genderisierung“ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!

Hier gilt es zunächst festzuhalten: Diese Passage sagt aus, man sei gegen „Gender Mainstreaming“, das werde auch „Genderisierung“ genannt und bedeute „Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache“. Bis hierher kann mich niemand der Lüge bezichtigen, denn so steht es da.

Pegida reduziert Gender Mainstreaming auf die Sprache

Jetzt geht es los mit meinen Lügen: Pegida hat hier etwas falsch verstanden und reduziert Gender Mainstreaming nur auf die Sprache. Der Begriff meint aber viel mehr (Quellen: zum Beispiel UNO oder Familienministerium):

Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen.

Konkret bedeutet das, dass zum Beispiel die Entwicklungs- oder Menschenrechtspolitik die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern berücksichtigen soll, damit sie etwas verbessert. Noch konkreter: Wenn Arbeitsplätze für junge Erwachsene in Entwicklungsländern mit deutschen Steuergeldern geschaffen werden sollen, müssen unterschiedliche Strategien für Männer und Frauen berücksichtigt werden, damit das Ganze überhaupt etwas bringt.

Und die Sprache? Neutralisiert Gender Mainstreaming Unterschiede?

Dass ein Teil von Gender Mainstraming die Sprache betrifft, ist unbestritten.  Etwas vereinfacht gesagt, geht es ja darum, immer die männliche und die weibliche Form zu nennen. Mir ist völlig schleierhaft, wie man darauf kommt, dass das die Unterschiede zwischen Frauen und Männern neutralisieren soll!

Sieht man sich das evidenzbasiert an, ist das Gegenteil der Fall: Evelyn Ferstl, Professorin für Kognitionswissenschaft an der Universität Freiburg, hat das jüngst deutlich gemacht. Wenn nur die männliche Form gesprochen/geschrieben wird, denken Hörer/Leser eben nicht die weibliche Form mit. Das heißt, die weibliche Form zu nennen, neutralisiert nicht, sondern macht die Unterschiede gerade deutlich.

Übrigens zieht auch das (alte) Argument nicht, die Nennung der weiblichen und männlichen Form erschwere die Lesbarkeit eines Textes. Studien zeigen, dass das nicht der Fall ist. Natürlich muss man solcherlei Lügenwissenschaft genausowenig glauben wie der Lügenpresse. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass solche Ergebnisse sich irgendwann in mehr Köpfen festsetzen, als das momentan der Fall ist.

Bleiben die Männer auf der Strecke?

Wie oben erwähnt, Gender Mainstreaming soll die Belange von Frauen und Männern gleichermaßen berücksichtigen. Wer mich kennt, weiß, dass ich Gleichberechtigung nicht nur von einer Seite, derjenigen für Frauen, angehe. Denn natürlich haben Männer auch in verschiedener Hinsicht Aufholbedarf. Viele der Fragen, die der Blogger „Kiezneurotiker“ beispielsweise stellt, sind völlig berechtigt. Aber genau deswegen ist Gender Mainstreaming so wichtig: geschlechtsspezifische Fragen stellen, Antworten darauf finden und dann politischen Handlungsbedarf ableiten. Niemandem wird dabei etwas weggenommen, auch Männern auf Pegida-Demonstrationen nicht.

Bildnachweis: Rainer Sturm / pixelio.de

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