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521254_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deIm zweiten Teil der Serie zu Flucht hier im Blog geht es um die Frage, von wo wer flieht. Aber eben nicht darum, woher die Flüchtlinge kommen, die hierzulande Asyl oder Flüchtlingsschutz beantragen. Flüchtlingsströme fließen auch anderswo. 

Herkunftsländer der meisten Flüchtlinge

Der UNHCR publiziert jährlich Statistiken zu Flucht, Vertreibung und Asyl. In den Global Trends 2014 ist die Rede von 59,5 Millionen Flüchtlingen weltweit. Davon waren 19,5 Millionen Menschen in andere Länder geflüchtet, während 38,2 Millionen Menschen andere Gegenden des Heimatlandes aufgesucht hatten. Zum Stichtag 31.12.2014 waren die meisten Flüchtlinge aus oder innerhalb der folgenden Länder geflüchtet:

  • Syrien (knapp 4 Millionen)
  • Afghanistan (2,6 Millionen)
  • Somalia (1,1 Millionen)
  • Sudan (0,7 Millionen)
  • Südsudan (0,6 Millionen)
  • Demokratische Republik Kongo (0,5 Millionen)
  • Myanmar (0,5 Millionen)
  • Zentralafrikanische Republik (0,4 Millonen)
  • Irak (0,4 Millionen)
  • Eritrea (0,4 Millionen)

Von den erwähnten 59,5 Millionen Menschen waren übrigens 13,9 Millionen seit 2014 neu auf der Flucht. Das ist ein neuer Höchststand für ein Jahr (2013 waren es 10,7 Millionen, 2012 7,6 Millionen).

Vergessene Krisen

Neben den genannten Ländern gibt es noch eine Vielzahl sogenannter vergessener Krisen. Diese vergessenen Fluchtursachen bedingen ebenfalls Flüchtlingsströme, nur bekommt man das in den deutschen Nachrichten kaum mit. Für 2014 listet die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) der Universität Hamburg 31 Kriege und bewaffnete Konflikte auf. Diese finden zum Beispiel statt in drei Regionen Indiens, Armenien, Aserbaidschan, Kolumbien, Mosambik oder auf den Philippinen, und jede dieser Krisen ist der Grund für Flucht und Vertreibung.

Demografische Merkmale der Flüchtlinge

Immer wieder ist aus der rechten Ecke von Medien und sozialen Medien zu lesen, dass hauptsächlich junge Männer fliehen. Das stimmt so nicht. Zu den demografischen Merkmalen der Asylbewerber in Deutschland demnächst mehr. Betrachtet man die Flüchtlingsströme global, so stimmt das mit dem Männerüberschuss überhaupt nicht. Dem UNHCR liegen für 30,4 Millionen Flüchtlinge demographische Daten vor. Das Geschlechterverhältnis ist nahezu ausgeglichen (15,24 Millionen männliche und 15,14 Millionen weibliche Flüchtlinge). Erschreckend fand ich die Zahl, dass 51 % der Flüchtlinge Kinder unter 18 sind. Ältere Menschen sind kaum auf der Flucht, nur 3 Prozent sind über 60. Die restlichen 46 Prozent entfallen auf die Altersguppe 19 bis 59.

Hinter den vielen Zahlen stehen Einzelschicksale

Für die Politik sind Zahlen natürlich wichtig, aber wir dürfen nie vergessen, dass dahinter grauenhafte Schicksale einzelner Menschen stehen. Ich versuche, mir das immer wieder deutlich zu machen, wenn ich mich in die Flüchtlingsdebatte einmische oder politische Entscheidungen treffe. Nur für starke Nerven geeignet sind die Schilderungen von Flüchtlingsbiographien zum Beispiel auf den Seiten von ProAsyl.

Bildnachweis: Rainer Sturm / pixelio.de 

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