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142685_web_R_by_Jens Goetzke_pixelio.deEnde letzten Jahres habe ich das erste der insgesamt 17 Ziele vorgestellt, mit der die UNO unsere eine Welt bis zum Jahr 2030 zu einem besseren Ort machen will. Heute geht es um Ziel 2: Den Hunger beenden. 

Das zweite Ziel der sogenannten SDGs heißt komplett Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern. Genauso wie das Ziel, die Armut abzuschaffen (Ziel 1), würde das wohl Jede und Jeder unterschreiben. Aber auf die Umsetzung kommt es an, die wird nicht leicht werden! Allein schon deswegen, weil die Weltbevölkerung von heute mehr als 7 Milliarden Menschen auf 8,5 Milliarden Menschen im Jahr 2030 und auf 9,7 Milliarden im Jahr 2050 wachsen wird. Besonders stark bzw. schnell werden die armen Länder wachsen.

Es ist nicht damit getan, Hungernden mit Lebensmitteln zu helfen.

Eine gesicherte Ernährung braucht eine nachhaltige, funktionierende Landwirtschaft. Denn: Viele Entwicklungsländer sind auf Lebensmittelimporte angewiesen, obwohl sie ausreichend fruchtbare Böden und ein Klima hätten, um die Bevölkerung selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Aber wie soll das Ziel erreicht werden?

Alle Ziele haben zahlreiche Unterziele, so auch das Ziel 2, den Hunger weltweit bis zum Jahr 2030 zu beenden. Die Unterziele zeigen die Handlungsfelder auf und sorgen dafür, dass mit Zielmarken der Fortschritt gemessen werden kann. So gehört zu den Unterzielen von Ziel 2, dass die Produktivität der Landwirtschaft und das Einkommen der Kleinbauern bis zum Jahr 2030 verdoppelt werden sollen. Um das zu erreichen, sollen vor allem der diskriminierungsfreie Zugang zu Land, Märkten und der Finanzierung verbessert werden, insbesondere für Frauen und die indigene Bevölkerung, die in vielen Ländern bislang außen vor bleiben.

Gefördert werden soll in erster Linie nachhaltige Landwirtschaft, die die jeweiligen Ökosysteme erhält und nicht beschädigt. Das dient der langfristigen Nutzung, ist aber auch Teil der Prävention von Naturkatastrophen. Denn die Vernichtung der Ernte durch zunehmende Naturkatastrophen, wie zum Beispiel Überschwemmungen, wird von Raubbau an der Natur begünstigt. Bereits bis 2020 soll die genetische Vielfalt durch Saatgutbanken auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene gesichert werden. Die genetische und biologische Vielfalt sollen im Rahmen der Hungerbekämpfung gesichert und nicht über Bord geworfen werden.

Infrastruktur und gerechter Handel

Die Entwicklungsländer – und insbesondere die am wenigsten entwickelten Länder – sollen stärker dabei unterstützt werden, Wertschöpfung im ländlichen Raum aufzubauen. Dazu soll stärker in die ländliche Infrastruktur investiert werden. Das ist wichtig. Denn ohne Energieversorgung ist es zum Beispiel nicht möglich, bereits im ländlichen Raum Lebensmittel weiterzuverarbeiten.

Der Welthandel soll zudem gerechter werden. Auch das ist eine entscheidende Forderung, denn wenn Lebensmittelimporte in Afrika billiger sind als lokal produzierte Ware, gefährdet dies die lokale Landwirtschaft. Wir von der Arbeitsgruppe wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben uns mit dem Thema Handel auch als eine der Fluchtursachen auseinandergesetzt. Hier gibt es mehr Infos.

Und was heißt das für uns?

Hunger weltweit zu beseitigen bedeutet für die deutsche Politik zunächst, dass wir weiterhin und noch stärker in die humanitäre Hilfe investieren müssen, um kurzfristig bei Hungerkatastrophen zu helfen. Langfristig müssen wir Kleinbauern in Entwicklungsländern stärker fördern und dabei helfen, die lokale Infrastruktur durch dezentrale Energieversorgung mit erneuerbarer Energie aufzubauen, damit Wertschöpfungsketten entstehen können. Wir dürfen nicht den Hunger als Vorwand dafür gelten lassen, einen Durchmarsch von gentechnisch verändertem Saatgut zuzulassen. Die Kleinbauern und die Welt brauchen keine Knebelung durch Saatgutkonzerne, sondern genetische und biologische Vielfalt.

Wir sind in Deutschland so privilegiert, dass hierzulande niemand verhungern muss. Das Nachhaltigkeitsziel zum Thema Hunger ist aber in jedem Fall Rückenwind für eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft. Nicht auf die kurzfristige Ertragsmaximierung um jeden Preis kommt es an, sondern auf die Erhaltung der Böden und der Umwelt. Das Ziel bestärkt zudem alle, die keine Gentechnik auf den Feldern haben wollen – so wie ich.

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