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Hearing in Straßburg mit Sybille Fezer und Fatuma Musa Afrah Arbeitsmarktintegration ist das A und O, wenn hierzulande über Flüchtlinge gesprochen wird. Aber: Gerade Mütter bleiben dann auf der Strecke. Dabei können Frauen der Motor der Integration sein – wenn man sie lässt. Zu diesem Thema habe ich eine Anhörung in Straßburg initiiert. 

Aktuell arbeite ich beim Europarat an einem Bericht, in dem es um die Schlüsselrolle von Frauen bei der Integration geht. Wenn alles gut läuft, wird dieser Bericht im April 2018 als Resolution in Straßburg angenommen. Für den Bericht sehe ich mir so viele Ansätze wie möglich an und spreche mit vielen Aktiven und neu angekommenen Frauen über Erwartungen und Erfahrungen.

Damit meine Kolleginnen und Kollegen im Europarat immer auf dem neuesten Stand sind, wie weit ich mit meinen Recherchen für den Bericht bin, fand vergangene Sitzungswoche in Straßburg eine Anhörung mit zwei Expertinnen statt: Mit Sybille Fezer von Medica Mondiale und der Aktivistin Fatuma Musa Afrah.

Trauma-Arbeit von Medica Mondiale

Viele Freiwillige, die sich für geflüchtete Frauen und Mädchen einsetzen, sind selbst nach Deutschland geflohen – manche vor vielen Jahren, manche sind erst kurz hier. Sie wissen wie es ist, hier neu anzukommen, mit furchtbaren Erfahrungen im Kopf und mit dem Wunsch, zu vergessen und neu anzufangen. Medica Mondiale qualifiziert seit 2016 Fachkräfte und freiwillige Helfer_innen in Traumasensibilität. Traumatisierte, aber auch Helfende, sollen genau erkennen und lernen, sich selbst oder andere zu schützen. Sibylle Fezer ist Geschäftsführerin bei Medica Mondiale und ist für die Anhörung nach Straßburg gereist, um uns von ihren Erfahrungen mit diesem Ansatz zu berichten. Hier findet man noch ein Interview mit ihr, das im Anschluss an die Anhörung in Straßburg stattfand.

Empowerment durch eine Powerfrau

Fatuma Musa Afrah ist „Newcomerin“, wie sie sich selbst auch bezeichnet. Geboren in Somalia und als Migrantin in Flüchtlingslagern in Kenia aufgewachsen, ist sie seit ein paar Jahren in Berlin und sehr aktiv in der Vernetzung von geflüchteten Frauen. Bei der Anhörung betonte sie immer wieder: Es gebe wahnsinnig ausgeklügelte Projekte und spannende Ideen, um Frauen zu integrieren – aber oft hapere es an ganz praktischen Dingen, warum diese Initiativen nicht genutzt werden.

Gerade neu angekommene Frauen straucheln mit praktischen Dingen wie zum Beispiel der Kinderbetreuung. Viele kämpfen mit ihren Erfahrungen, weil sie sich auf die Psyche und auf das körperliche Wohlbefinden auswirken. Oder sie müssen sich vielleicht ohne Dolmetscher_innen durch den Papierdschungel Deutschland kämpfen. Aber viele fragen gar nicht, was diese Frauen selbst unter „Empowerment“ verstehen, was sie eigentlich benötigen, in ihrer aktuellen Situation.

Als Aktivistin leitet Fatuma Afrah Projekte in Berlin und Brandenburg, die Frauen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt, um Erfahrungen auszutauschen, um berufliche Kontakte herzustellen, oder einfach, um miteinander zu kochen. Auch sie wurde im Anschluss an die Anhörung interviewt.

Fazit

Sybille Fezer von Medica Mondiale und Fatuma Musa Afrah

Zwei tolle Frauen, interessante Ansätze, aufschlussreiche Gedanken: Ich bin mit einem Stapel Notizen aus der Anhörung gegangen, wie es mit meinem Bericht weitergehen soll und was ich mir unbedingt noch ansehen muss. Und die Kolleg_innen im Europarat waren auch begeistert – ich hoffe, wir konnten gemeinsam neue Ideen anstoßen, wie Frauen in ihrer Schlüsselrolle bei der Integration in allen Mitgliedsstaaten des Europarats gefördert werden können. Ich halte Sie hier auf dem Laufenden, wenn es zu meinem Bericht etwas Neues gibt.

 

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