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Sexismus in der Politik - gibt es den?Neulich hat mir eine junge Frau einen Fragebogen für ihre Seminararbeit zugeschickt. Es ging um: Gleichberechtigung von Frauen in der Politik und Sexismus. Wie steht es aus meiner Sicht um Sexismus in der Politik?

In der BayernSPD gibt es die Quote und den Anspruch, gleich viele Frauen und Männer in Amt und Mandat zu bringen. Das klappt manchmal, aber nicht immer. Tatsache ist: Frauen sind in der Politik in Deutschland noch immer nicht wirklich gleichberechtigt. Im (neuen) Bundestag liegt der Frauenanteil bei 30 Prozent und damit unter dem in Tunesien. Frauen sind auch in anderen Parlamenten und Gremien unterrepräsentiert. Dadurch haben wir einen geringeren Einfluss auf wichtige Entscheidungen.

Warum ist das so?

Aus mehreren Gründen. Diese reichen von der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu Absprachen von Männern untereinander, wenn es um Kandidaturen geht. Und nicht alle Frauen wählen auch Frauen. Frauen müssen mehr Geduld, mehr Beharrlichkeit und mehr Durchsetzungsstärke mitbringen. Auch müssen sie mehr Humor haben als Männer und dürfen nicht empfindlich sein.

Werde ich als Frau in der Politik diskriminiert?

Nicht offen, dagegen würde ich ganz schön Rabatz machen. Aber manchmal erlebe ich unterschwellige Sachen: Manche Gesprächspartner scheinen Männer ernster zu nehmen als Frauen. Frauen werden häufiger unterbrochen, und Männer reden länger. Ich habe auch schon Absprachen von Männern erlebt, wenn es darum ging, eigene Positionen zu sichern – auf Kosten der Frauen.

Gibt es hier gar keine Fortschritte?

Naja. Bürger und Bürgerinnen fordern Frauen in der Politik und wählen diese manchmal auch gezielt. Die Parteien des linken Lagers achten auf gleiche Zahlen von Frauen und Männern. Aber manchmal werden Fortschritte in der Gleichberechtigung nur vorgetäuscht. In der AfD und auch in der FDP gibt es sehr sichtbare Frauen an der Parteispitze. Das täuscht darüber hinweg, dass dann in der jeweiligen Fraktion fast nur noch Männer sitzen (AfD 90 Prozent Männer, FDP 76 Prozent Männer). Letztlich verdeckt auch die Bundeskanzlerin die Tatsache, dass bei CDU und CSU Frauen nur eine Minderheit von unter 20 Prozent darstellen.

Und in den Medien?

Medien berichten oft unterschiedlich über Politiker und Politikerinnen. Dass es bei Frauen häufiger um Aussehen, Kleidung und Frisur geht, ist ein alter Hut. Doch auch das Verhalten in der Politik wird unterschiedlich beurteilt: Frauen sind schnell eine „Zicke“, wenn sie streiten oder laut sind. Männer, die das Gleiche tun, gelten als kämpferisch. Angela Merkel hat Sexismus allerdings für ihre Zwecke genutzt. Die auch von manchen Journalisten genutzte Bezeichnung „Mutti“ – die meiner Meinung nach nicht weiter von der Realität weg sein könnte – hat ihr geholfen. Denn eine Mutter wird nicht so stark kritisiert. Gegen Kritik – auch berechtigte – wurde die Bundeskanzlerin häufig von Medien in Schutz genommen. Bei Martin Schulz gab es von Medien die Kritik, er sei angeblich „weinerlich“. Also letztlich nicht „männlich“ genug.

Was können Frauen tun, wenn sie in die Politik möchten?

Neben den oben genannten Charaktereigenschaften gibt es Beratungs- und Fortbildungsangebote. Zum Beispiel Lehrgänge der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik. Hier ist auch immer viel Erfahrungsaustausch mit dabei – zwischen Frauen, die sich engagieren wollen, und Frauen, die bereits ein politisches Amt haben. Frauen sollten auch immer die Quote einfordern: Mit einer Quote geht es darum, die am besten geeigneten Frauen und die am besten geeigneten Männer zu finden. Die „gläserne Decke“ – also die Unmöglichkeit für Frauen, in bestimmte Bereiche vorzustoßen – wird damit aufgebrochen. Auch in Unternehmen war es in der Führungsetage oft so, dass Männer lieber unter sich geblieben sind. Mit der von der SPD durchgesetzten Aufsichtsratsquote ändert sich das jetzt schrittweise. Zum Glück.

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