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Auszeit in IslandSPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat eine Idee vorgestellt: Das Grundeinkommensjahr. Hat das etwas mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun? Und vor allem: Ist die Idee sinnvoll und wenn ja, für wen? 

Auf diese und andere Fragen möchte ich – aus meiner Sicht – Antworten geben!

Worum geht es?

Der Vorschlag ist recht einfach gehalten: Für jedes Jahr, das man arbeitet, soll man einen Monat frei bekommen. Für diesen freien Monat soll der Staat ein Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro steuerfrei bezahlen und zudem die Krankenversicherung übernehmen. Die freien Monate müssen nicht sofort genommen, sondern können auch gesammelt werden: Nach zwölf Jahren Erwerbstätigkeit soll man maximal zwölf Monate lang dieses Grundeinkommen erhalten können.

Welchen Zweck hat ein Grundeinkommensjahr?

Viele Menschen haben das Gefühl, dass der Druck und die Geschwindigkeit im Erwerbsleben zunehmen. Das Grundeinkommensjahr könnte – je nach Bedarf – für Entlastung und Entschleunigung sorgen. Um aus dem Hamsterrad rauszukommen. Um Zeit mit der Familie zu verbringen. Um sich ehrenamtlich zu engagieren. Um die weitere Zukunft zu planen. Letztlich geht es um eine neue und bessere Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Auch die Arbeitgeber könnten etwas davon haben, denn das Grundeinkommensjahr würde dabei helfen, dem Burn Out oder anderen stressbedingten Krankheiten vorzubeugen.

Wer würde profitieren?

Einen Anspruch erwirbt man durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Nur diejenigen, die alters- oder gesundheitsbedingt nicht arbeiten können, würden außen vor bleiben und stattdessen – wie bisher – Sozialleistungen oder Rente erhalten. Allerdings muss man sich das Grundeinkommensjahr auch leisten können, denn 1.000 Euro im Monat wären für viele Beschäftigte deutlich weniger als ihr Lohn. Besonders profitieren würden Geringverdiener, deren Einkommen nicht viel höher ist als 1.000 Euro oder darunter liegt. Das könnte das Modell gerade auch für Frauen attraktiv machen, die sehr viel häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten und dadurch auf einen geringeren Lohn kommen – allerdings nur, wenn sie mindestens 20 Stunden in der Woche arbeiten.

Wer Vollzeit arbeitet und gut verdient, könnte sich auf die Auszeit vorbereiten und – wenn es möglich und wenn es einem wichtig ist – etwas für diese Zeit zurücklegen. Dabei ist zu beachten, dass ja niemand die vollen zwölf Monate als Auszeit nehmen muss. Man kann auch nur zum Beispiel drei Monate nutzen.

Wer soll das bezahlen?

Die Kosten schätzt Lars Klingbeil auf sieben bis neun Milliarden Euro im Jahr. Das ist viel Geld, aber durchaus finanzierbar. Der Bundeshaushalt umfasst über 350 Milliarden Euro.

Was ist der Unterschied zum Modell des bedingungslosen Grundeinkommens?
Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Konzept, das prinzipiell keine Vorgaben hat. Jede und Jeder kann es bekommen. Das ist der Haupt-Unterschied zum Vorschlag des Grundeinkommensjahres. Was ich davon halte, habe ich hier schon geschrieben.

Mein Fazit

Ich halte das Grundeinkommensjahr für eine spannende Idee, die wir als SPD auf jeden Fall aufgreifen und weiterdiskutieren sollten. Im Rahmen unserer inhaltlichen Erneuerung wäre die Diskussion über solche Ideen, die vielen Menschen ganz neue Perspektiven auf ihr Arbeitsleben geben, sehr fruchtbar. Viele Erwerbstätige sind im Dauerstress und ich habe den Eindruck, dass das der Druck für die Einzelnen zunimmt – der Zwang zu funktionieren. Ich glaube, dass gerade erwerbstätige Eltern davon profitieren könnten. Das Grundeinkommensjahr könnte Menschen dabei helfen, die Batterien wieder aufzutanken. Das könnte ihre Lebensqualität erhöhen und wäre auch ein Anreiz und zugleich Belohnung für jahrelange harte Arbeit.

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