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Plakatmotiv_FGM-Unterschriften-Uebergabe_TDF-klHeute ist der „Internationale Tag der Nulltoleranz gegen weibliche Genitalverstümmelung“. Nicht nur in Afrika sind diese grauenhaften Praktiken verbreitet. Durch Migration sind sie auch in Deutschland angekommen. Um Mädchen davor zu schützen, kann jede und jeder etwas tun.

Weibliche Genitalverstümmelung oder „Female Genital Mutilation“ (FGM) ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie wird in 29 Ländern Afrikas und in einigen arabischen und asiatischen Staaten praktiziert. Schätzungen zufolge sind weltweit mehr als 150 Millionen Frauen und Mädchen betroffen. Jährlich werden erneut etwa drei Millionen Mädchen Opfer von FGM – 8.000 Mädchen täglich. Durch Migration werden auch in Europa Mädchen verstümmelt. Nach Schätzungen der EU droht derzeit 180.000 Mädchen in Europa Genitalverstümmelung.

Qualvolle Prozeduren ohne Narkose

Ich kann Ihnen diese entsetzlichen Informationen nicht ersparen: Genitalverstümmelung gibt es in den Formen Klitoridectomie, Exzision und Infibulation. Das bedeutet: partielle oder ganze Entfernung der Klitoris (Klitoridectomie), partielle oder ganze Entfernung der Klitoris und der Schamlippen (Exzision) und/oder Verengung der Vaginalöffnung, zum Beispiel durch Vernähen (Infibulation). Das alles geschieht zum Teil unter unvorstellbaren Bedingungen ohne Narkose.

Kurzfristige und langfristige Folgen

Die Prozeduren verursachen bei den Mädchen extreme Schmerzen, Blutungen und oft einen Schock. Mittelfristig erleiden die Opfer oft Wundstarrkrampf oder Entzündungen, langfristig können die schrecklichen Folgen sein: Urinstau, chronische Schmerzen, lebenslange Inkontinenz, Fisteln, Unfruchtbarkeit und lebensbedrohliche Risiken bei der Geburt (Komplikationen, Tod des Babys).

Warum gibt es diese Grausamkeiten?

Genitalverstümmelung hat nicht den geringsten medizinischen oder sonstigen Nutzen. Vorgeschobene Gründe entspringen vorislamischem und vorchristlichem Glauben und den entsprechenden Traditionen. Die Bescheidenheit und Reinheit der Frau werde gefördert, nichtverstümmelte Frauen fänden keinen Ehemann. Gänzlich grotesk ist die Vorstellung, die Klitoris wachse bei Nichtbeschneidung lebenslang zu einem riesigen, stinkenden Organ. In Wirklichkeit jedoch werden die Quälereien aus einem einzigen Grund vorgenommen: Die patriarchale Kontrolle der weiblichen Sexualität. Frauen, die Sexualität als schmerzhaft empfinden, zeigen kein Interesse an (anderen) Männern. Ihrem Ehemann müssen die Frauen sowieso zu Willen sein.

Was ist zu tun?

Die deutsche Entwicklungspolitik hat erste Erfolge in Afrika erzielt: Durch Aufklärung, Sensibilisierung und Dialog zieht sich der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung als Querschnittsthema durch die Entwicklungszusammenarbeit mit den betreffenden Ländern. Insbesondere gilt es auch, die Mütter davon zu überzeugen, dass FGM eine (sinnlose) Verletzung der Menschenrechte ihrer Töchter darstellt. Und was wir tatsächlich auch nicht vergessen dürfen, ist, für die Beschneiderinnen Alternativen finden, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Gesetzesänderungen sind natürlich notwendig, reichen aber nicht aus, da solche Menschenrechtsverletzungen sonst heimlich geschehen. Wir müssen in den Köpfen der Menschen ansetzen, um die Praktiken wirklich zu ächten. Nicht zuletzt müssen patriarchalische Denk- und Gesellschaftsstrukturen verändert werden.

Genitalverstümmelung ist in Deutschland ein eigener Straftatbestand, aber wir müssen mehr in die Prävention und die Opferhilfe investieren. Wir müssen neue Wege beschreiten, indem wir auch mit religiösen Autoritäten zusammenarbeiten. Zum Beispiel hat eine Fatwa in Mauretanien die Genitalverstümmelung als unislamisch gebrandmarkt und verboten. Dieses Gutachten islamischer Rechtsgelehrter muss auch in Deutschland verbreitet werden.

Meine Bitte an Sie

Wenn Sie von Genitalverstümmelung hören oder wenn Sie jemanden als gefährdet einstufen: Schweigen Sie nicht, sondern werden Sie im Interesse des kleinen Mädchens aktiv: Die Organisation Terre des Femmes kämpft seit Jahren gegen die weibliche Genitalverstümmelung und listet auf ihrer Internetseite die zuständigen Beratungsstellen auf.

Bildnachweis: Terre de Femmes

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