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SDGsIn der Reihe um die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele, mit denen die Weltgemeinschaft unsere eine Welt bis zum Jahr 2030 zu einem besseren Ort machen will, geht es diesmal um das Ziel 11. Es lautet: Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen. 

Wir erleben derzeit in Entwicklungsländern eine Veränderung, die noch nicht überall in den Köpfen angekommen ist – die Verstädterung. Bis zum Jahr 2050 werden voraussichtlich 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Allein in Afrika werden im Jahr 2050 rund 900 Millionen Menschen mehr in Städten wohnen als heute. Diese immense Verschiebung der Bevölkerung sorgt für viele Veränderungen: Armut verschiebt sich beispielsweise noch stärker in Städte. Gleichzeitig werden bei den schnell wachsenden Städten in Entwicklungsländern auch viele Weichen für die Zukunft gestellt: Wie (umweltfreundlich) wird der Personentransport in diesen Städten geregelt? Wird die wachsende Stadt kompakt geplant mit geringem Flächen- und Energieverbrauch oder gibt es ein ungeplantes Wachstum mit massivem Flächenverbrauch, Slumbildung und Verkehrschaos?

Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen werden mit darüber entscheiden, ob die Nachhaltigkeitsziele insgesamt erreicht werden. Die Frage, wie die Urbanisierung gestaltet wird, entscheidet auch über die Zukunft des Weltklimas und hat massiven Einfluss auf die Umwelt. Städte sind bereits heute für 70 Prozent des Energieverbrauchs sowie für 70 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Der Kampf für nachhaltige Entwicklung wird in Städten gewonnen oder verloren werden.

Aber wie erreichen wir das Ziel?

In den Unterzielen zum Ziel verpflichtet sich die Weltgemeinschaft dazu, bis 2030 Slums zu beseitigen. Nicht etwa durch die Vertreibung der Menschen, die dort leben! Sondern vielmehr durch eine Erneuerung und indem bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Ebenfalls bis 2030 sollen weltweit nachhaltige Transportsysteme für die städtische Bevölkerung geschaffen werden. Die Stadtplanung soll gestärkt werden – und zwar als partizipative Stadtplanung. Mit anderen Worten: Es sollen keine zentral geplanten „Geisterstädte“ am Reißbrett entstehen, in denen niemand wohnen will. Es sollen vielmehr solche Städte wachsen und entstehen, die die Bedürfnisse der Bevölkerung einbeziehen und berücksichtigen. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass Grünflächen in der Stadt und die Kultur gestärkt werden. Denn letztlich brauchen Städte eben auch ein „Herz“ im Sinne von Identifikation und Raum für ein Miteinander. Aufgefordert ist die Weltgemeinschaft auch, die Luftqualität in den Städten zu verbessern und deren Öko-Bilanz. Nicht zuletzt sollen die Industriestaaten die Entwicklungsländer beim Ziel der „nachhaltigen Städte“ unterstützen.

Und was heißt das für uns?

Wie alle Nachhaltigkeitsziele gilt das Ziel 11 nicht nur für Entwicklungsländer, sondern auch für die Industriestaaten. Das heißt: Auch Deutschland muss mehr tun, um zum Beispiel die Luftqualität in den Städten zu verbessern, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auszubauen und mehr Grünflächen in den Städten zu schaffen.

Der Koalitionsvertrag für die neue Große Koalition bietet durchaus die Möglichkeit, diese Ziele anzugehen. So konnte die SPD durchsetzen, dass die (eigentlich auslaufende) Bundesförderung für den sozialen Wohnungsbau der Länder fortgesetzt wird und der ÖPNV stärker mit Bundesmitteln unterstützt wird. Insgesamt setzt sich der Koalitionsvertrag das Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen und Eigenheimen. Dazu soll die bereits gestartete „Wohnraumoffensive“ fortgesetzt und ausgebaut werden.

Ende letzten Jahres haben wir ein „Sofortprogramm Saubere Luft 2017-2020“ mit einem Volumen von 1 Milliarde Euro ins Leben gerufen. Die Städte werden damit zum Beispiel dabei unterstützt, Elektrobusse anzuschaffen und den Radverkehr auszubauen. Ebenfalls schon im letzten Jahr gestartet ist ein neues Programm „Zukunft Stadtgrün“, mit dem auch Nürnberg gefördert wird. Das noch von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) eingeführte Programm soll den Städten dabei helfen, grüner zu werden.

Als zuständige Berichterstatterin für das Thema Urbanisierung in Entwicklungsländern hatte ich mich schon in der letzten Wahlperiode für einen gemeinsamen Antrag der Großen Koalition erfolgreich eingesetzt. In dem Antrag ging es darum, die entwicklungspolitischen Chancen der Urbanisierung zu nutzen und Entwicklungsländer stärker bei dem Thema zu unterstützen.

Als eine Folge haben wir seitdem unter anderem die Haushaltsmittel für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit der Kommunen sehr stark ausgebaut und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die „Initiative für transformative urbane Mobilität“ gestartet. Über letztere hatte ich schon beim Ziel 9 kurz berichtet. Bei dem Programm geht es darum, Entwicklungsländer beim Aufbau von Buslinien, S- und U-Bahnnetzen, Fuß- und Radwegen zu unterstützen. Außerdem werden – im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe – über 1.000 Fach- und Führungskräfte aus- und weitergebildet. Nachdem aktuell der neue Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) vorgeschlagen hat, den Haushalt für die Entwicklungszusammenarbeit um fast eine Milliarde Euro zu erhöhen, hoffe ich darauf, dass wir jetzt noch weiter in diese Richtung gehen können!

Eine Übersicht der neuen Nachhaltigkeitsziele findet sich hier (in Englisch).

 

 

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