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Keine Spur mehr von Biene-Maja-Romantik. Ein Insektensterben ist in vollem Gange. Nach dem erfolgreichen Volksbegehren Bayerns müssen wir auch in Berlin den Schutz der Artenvielfalt vorantreiben.

War es nicht so, dass man früher bei längeren Autofahrten alle zwei Stunden die Windschutzscheibe saubermachen musste, heutzutage aber nicht mehr? Auch wenn das lästige Putzen entfällt – das ist ganz schlecht für die Umwelt. Denn an sauberen Windschutzscheiben kann man ablesen: Es gibt viel, viel weniger Insekten.

Aber Insekten sind letztlich die Voraussetzung für die Artenvielfalt und für die Existenz der Menschheit. Auf Bundesebene hatte die SPD im Koalitionsvertrag deshalb ein Aktionsprogramm Insektenschutz durchgesetzt. Im April soll es jetzt ins Kabinett kommen.

Was steht drin?

Das Aktionsprogramm von Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht erstmals ein bundesweites Insektenschutzgesetz vor. Es enthält klare Vorgaben für eine Nutzung von Pestiziden und Änderungen im Naturschutzrecht, Pflanzenschutzrecht, Düngerecht sowie im Wasserrecht. Der Bund soll künftig 100 Millionen Euro pro Jahr für Insektenschutz ausgeben und durch Bundeswettbewerbe und gezielten Einsatz von Fördermitteln Anreize für ökologische Agrarwirtschaft setzen. Die Bundesregierung will sich für ein EU-weites Verbot bestimmter Neonikotinoide und eine Verbesserung der EU-Naturschutzfinanzierung einsetzen. Glyphosat wollen wir bis 2023 komplett verbieten.

Felder, Wiesen und Wälder, auf alles muss beim Insektenschutz geachtet werden. In der Agrarwirtschaft sollen Insektenlebensräume erhalten bleiben oder neu entstehen: Zum Beispiel, indem Blüten- und kräuterreiche Säume ausgeweitet werden, um die Flur mit Wildpflanzen zu bereichern. Gleichzeitig müssen wir überbordende Bodenverschmutzung verhindern.

Artenschutz auch jenseits der Landwirtschaft

Das Aktionsprogramm sieht eine geförderte Renaturierung und Wiedervernetzung von Insektenbiotopen vor – und einen besseren Insektenschutz in Schutzgebieten. Auch in Städten wird eine insektenfreundliche Begrünung anvisiert. Hier gibt es bereits einen Entwurf für einen Masterplan Stadtnatur.

Dies nur am Rande

Wenige hundert Meter von meinem Berliner Büro entfernt steht im Tiergarten auf einer kleinen Insel eine insektenumschwirrte Rousseau-Säule. Sie erinnert an den Erfinder des Gesellschaftsvertrages. Ein Gesellschaftsvertrag ist immer auch ein Generationenvertrag. Wenn er Bestand haben soll, müssen wir fairer zu uns und zu den nachfolgenden Generationen sein. Svenja Schulze sagt dazu: Die Umwelt schützen wir nicht nur für Hirschkäfer und Erdhummeln, sondern für uns selbst.

Also ich für meinen Teil bin dann gerne wieder dazu bereit, meine Windschutzscheibe zu putzen, wenn die Insekten sich hoffentlich bald wieder erholen.

Bildnachweis: Wolfgang Dirscherl / www.pixelio.de

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